Das Studienkreis-Unterrichtskonzept

 

Allgemeine Zielsetzung
Die Studienkreis-Lerngruppe
Die Lehrkräfte im Studienkreis
Struktur und Ablauf einer Studienkreis-Unterrichtseinheit


Allgemeine Zielsetzung


Häufig sind nicht nur rein fachliche Defizite die Ursache für schlechte Schulleistungen. Vielen Schülern fehlt oft die Motivation, die geforderten Arbeits- und Aufmerksamkeitsleistungen zu erbringen. Unabhängig von den Gründen für einen „Ausstieg“ aus dem schulischen Lernprozess ist unsere wesentliche Arbeit, zusammen mit den Schülerinnen und Schülern das Interesse und das Verständnis für das jeweilige Fach neu zu beleben. Hierzu werden fachspezifische Lerntechniken vermittelt und Wissenslücken nach und nach geschlossen. Besonders wichtig ist dabei, dass emotionale Lernblockaden über den Kontakt zu anderen Mitgliedern der Lerngruppe und durch stetige Bestätigung auch kleiner Lernfortschritte abgebaut werden.

 

Ziel des Studienkreisunterrichts ist also die (erneute) Leistungsmotivation unserer Schülerinnen und Schüler. Die vom Schulalltag häufig sehr abweichenden Lernerfahrungen in unseren Studienkreis-Kleingruppen ermöglichen vielen Schülern einen neuen Zugang zum jeweiligen Unterrichtsstoff.  Sie entwickeln mehr Selbstbewusstsein und schaffen häufig einen erfolgreichen Wiedereinstieg in den Unterricht der öffentlichen Schule. Im Studienkreis soll die emotionale Einstellung zum jeweiligen Fach und zum Lernen überhaupt eine positive Entwicklungsrichtung nehmen. Parallel zur Aufarbeitung von fachlichen Defiziten ist die Auflösung emotionaler Lernblockaden eine wichtige Voraussetzung für einen dauerhaften Erfolg des Förderunterrichts. In der Studienkreis-Lerngruppe kommt es zu vielfältigen Synergien zwischen fachlicher, pädagogischer und sozialer Ebene, die letztlich entscheidend für den Erfolg des Förderunterrichts sind.

 

Deshalb empfehlen wir für eine mittelfristige, schulbegleitende Förderung den Gruppenunterricht in der fach- und altershomogenen Studienkreis-Kleingruppe (2 – 4 Schüler).

 

Einzelunterricht ist sinnvoll, wenn es darum geht, klar einzugrenzende fachliche Wissenslücken sehr kurzfristig aufzuarbeiten – z.B. als Vorbereitung auf eine „Nachprüfung“ oder wenn z.B. krankheitsbedingt bestimmte Kapitel im Unterricht der öffentlichen Schule verpasst worden sind.

 

Die Studienkreis-Lerngruppe


Die Anzahl der Gruppenmitglieder begrenzen wir bewusst auf maximal 4 Schülerinnen / Schüler pro Gruppe. Diese Gruppenstärke erlaubt einerseits genügend individuelle Arbeit zwischen dem Lehrer und einzelnen Schülern, andererseits kann schon eine Vielfalt von Gruppen-Lehrmethoden und ein „soziales Lernen“ realisiert werden. Die Kleingruppen sind fachhomogen, d.h., es wird in einer bestimmten Gruppe immer nur dasselbe Fach bearbeitet. Eine fachspezifische Förderung ist anders kaum denkbar, zumal die fachlichen Inhalte oft so anspruchsvoll sind, dass jeweils auch fachlich spezialisierte Lehrkräfte eingesetzt werden müssen. Zudem achten wir darauf, dass die Altersunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern einer Gruppe nicht zu groß sind, um gute Rahmenbedingungen für einen sozialen Austausch zu gewährleisten.

Im Fokus des Unterrichtes steht natürlich der aktuelle Schulstoff bzw. der Stoff der nächsten Klassenarbeit. Parallel werden Wissenslücken der Schüler aus früherer Zeit von der Lehrkraft nach und nach identifiziert und im Blick gehalten, um sie bei der nächsten Gelegenheit bearbeiten zu können. Zur unterstützenden Dokumentation legen wir für jeden Schüler eine Mappe an, in der alle fachlichen und pädagogischen Informationen gesammelt werden.

Die Studienkreis-Lehrkraft „managt“ ihre Lerngruppe sowohl fachlich als auch pädagogisch. Hierzu kommt ein Mix aus verschiedenen Unterrichtsmethoden zur Anwendung:

 

Frontalunterricht, Gruppenarbeit, Partnerarbeit, Einzelarbeit,

Einzelbetreuung, Tafelarbeit einzelner Schüler, Lernspiele, Probeklassenarbeiten

 

 

Die Lehrkräfte im Studienkreis


Es kommen für die jeweiligen Fächer nur gut qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer zum Einsatz. Unsere Lehrkräfte sind überwiegend Lehramtsstudenten. Außerdem unterrichten häufig auch sogenannte „Muttersprachler“, Lehrkräfte mit einem nichtpädagogischen Universitätsabschluss (z.B. Diplom-Ingenieur, Magister etc.) und pensionierte Lehrer.

 

Unsere Zielsetzung bedingt, dass die Lehrkraft das soziale Gefüge der Kleingruppe ausgleichend steuert, Ungerechtigkeiten vermeidet und dafür sorgt, dass jeder Schüler das Gefühl hat, einen gerechten Anteil am Unterrichtsgeschehen zu haben. Zurückhaltende Schüler (besonders auch neue Gruppenmitglieder) bekommen eine besondere Aufmerksamkeit und werden immer wieder zur aktiven Teilnahme am Unterricht animiert.

 

Der Handhabung von Lob und Anerkennung bzw. Kritik kommt im Verhalten unserer Lehrkräfte eine zentrale Bedeutung zu. Die Kritik bzw. die Verbesserung von falschen Arbeitsergebnissen erfolgt möglichst sachlich und emotionsfrei. Lernfortschritte und gute Leistungen werden mit Anerkennung, Lob und emotionaler Zuwendung verstärkt.

 

Struktur und Ablauf einer Studienkreis-Unterrichtseinheit (90 min)

 

A)       Anfangsrunde                                                                           5 – 15 Minuten

 

Die Anfangsrunde dient der Orientierung der Lehrkraft und der Schüler. "Vordringliche" nichtfachliche Themen der Schüler, wie z.B. ein neues Computer-Spiel oder der Film von gestern Abend, haben jetzt Raum, damit sie später den Lernprozess nicht mehr stören. Die Schüler haben auch Gelegenheit, besondere Anliegen und Fragen,  z.B. anstehende Klassenarbeiten oder Verständnisprobleme zu thematisieren.

 

Typische Themen und Fragestellungen:

 

-        Was gibt’s Neues?

-        „Du siehst heute aber müde aus, Max“

-        „Wie war das Fußballspiel am Sonntag?“

-        Steht eine Klassenarbeit an? Wenn ja, wann?

-        Wer hat eine Klassenarbeit zurückbekommen?

-        Wer hat in der Schule oder bei den Hausaufgaben etwas nicht verstanden?

-        Wer möchte heute etwas Bestimmtes machen?

 

B)      Unterrichtsphase                                                                       65 – 75 Minuten

 

Je nachdem, welche Themen und Lernschritte anstehen, werden den Schülern individuell Übungsaufgaben zur Bearbeitung gegeben und besprochen, Grundsatzthemen mit der ganzen Gruppe durchgearbeitet und bestimmte Aufgaben in Partnerarbeit oder Gruppenarbeit vergeben. Häufig kann auch ein Schüler einem anderen etwas erklären, womit in der Regel gute Lern- und Motivationseffekte bei beiden Schülern erzielt werden können. Bei Gelegenheit werden „Lücken“ und typische Problemthemen, wie z.B. Gebrauch der Zeiten im Englischen oder Bruchrechnen, Dreisatz etc. in der Gruppe gemeinsam aufgearbeitet.

 

Hausaufgaben werden nur bei Verständnisproblemen besprochen – und auch nur soweit, dass der Schüler in der Lage ist, sie selbstständig zu Hause fertig zu stellen. Ansonsten werden im Studienkreis nur auf besonderen Wunsch der Eltern Hausaufgaben vollständig bearbeitet.

 

Die pädagogische Methodenvielfalt  in der Unterrichtsphase ist die wesentliche Voraussetzung für den mittelfristigen Erfolg des Förderunterrichts in der Kleingruppe. Die Gruppe wird so als fachliches und soziales Lernmedium genutzt.

 

C)       Abschlussrunde                                                                          5 - 10 Minuten

 

In der Abschlussrunde wird eine Rückschau auf die Unterrichtseinheit vorgenommen. Einzelne Schüler werden für gute Mitarbeit und erzielte Lernfortschritte gelobt oder an die noch notwendigen häuslichen Arbeiten erinnert.

 

Wenn die Lehrkraft es für notwendig hält (und die Eltern damit einverstanden sind) werden Hausaufgaben aufgegeben.

 

Typische Fragestellungen:

 

-          Wie war es heute?

-          Wer hat etwas noch nicht verstanden?

-          Was sollten wir beim nächsten Mal besser machen?